{"product_id":"frischer-pizzateig","title":"Rezept: Frischer Pizzateig","description":"\u003cp\u003eDas Wichtigste zuerst: Die höchste Kunst der italienischen Pizzabäckerei verlässt sich traditionell auf minimale Mengen frischer Hefe – den Lievito di birra. Während in modernen Gourmet-Pizzerien immer öfter mit Lievito Madre, dem milden Muttersauerteig, experimentiert wird, bleibt die klassische neapolitanische Pizza ein direkt geführter Hefeteig.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eNachlesen kann man das auch im offiziellen Regelwerk der Associazione Verace Pizza Napoletana, AVPN. Eine neapolitanische Pizza ist demnach primär aus Lievito di birra fresco, und das in verschwindend geringen Mengen von 0,1 bis 3 Gramm pro Liter Wasser. Sauerteig ist im Regelwerk zwar mittlerweile ebenfalls erlaubt (bis zu maximal 10% der Mehlmenge) aber er ist keineswegs Standard.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDer Grund dafür ist hauptsächlich die Berechenbarkeit. In gut besuchten und für ihre Qualität berühmten Pizzerien soll der Teig jeden Tag möglichst gleich schmecken. Reiner Sauerteig aber ist wetterfühlig und weitaus anfälliger für Schwankungen aller Art. Außerdem ist eine Pizza Napoletana \u003cem\u003emorbida e elastica\u003c\/em\u003e – weich, saftig, faltbar wie ein Taschentuch, \u003cem\u003ea portafoglio.\u003c\/em\u003e Reiner Sauerteig neigt dazu, die Pizza brotiger und knuspriger zu machen.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDieses Grundrezept für Pizzateig bezieht sich deshalb ebenfalls auf die klassische Verwendung von frischer Backhefe, wie man sie in jedem Supermarkt bekommt.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDoch egal ob Hefe oder Sauerteig: Wichtig ist zu verstehen, dass wir es mit einem lebenden Organismus zu tun haben. Sie wird aktiv, wenn es warm ist und sie Nahrung bekommt. Wird ihr aber zu heiß, verweigert sie die Arbeit.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eIch unterscheide meine Pizzateig-Varianten in zwei Kategorien: 1. Die für Geduldige und 2. Die für Sofort-Hungrige. Variante 1 ist die schönere, klassischere und schmackhaftere Version. Sie macht keinen größeren Aufwand als ihre eilige Schwester, sie braucht nur mehr Zeit.\u003c\/p\u003e\n\u003ch3\u003eVariante 1: Pizzateig für Geduldige\u003c\/h3\u003e\n\u003cp\u003eBevor wir zu mischen und zu kneten beginnen, ist ein kleiner Exkurs über Mehl und seine Eigenschaften unverzichtbar. Denn, wie man auch \u003ca href=\"https:\/\/splendimagizin.com\/blogs\/produktkunde\/weizen\"\u003ehier in unserem Grundlagentext über Weizen-Mehl \u003c\/a\u003enachlesen kann, ist Mehl nicht gleich Mehl. Die Angabe \"Tipo 00\" allein sagt wenig aus – sie bezeichnet lediglich den Mahlgrad, vergleichbar mit dem deutschen Typ 405. Viel entscheidender als der Mahlgrad ist für Pizzateig aber der sogenannte W-Wert, der die Backstärke, also den Proteingehalt und die Qualität des Glutens angibt.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eEin schwaches Mehl (mit einem W-Wert unter 220) baut ein lockeres Klebergerüst auf. Es eignet sich hervorragend für schnelle Teige, die in wenigen Stunden gebacken werden.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eEin starkes Mehl (mit einem W-Wert über 300, wie das berühmte Manitoba-Mehl aus Nordamerika) entwickelt ein extrem starkes Glutengerüst. Es hält die Gase bei langen Reifezeiten im Teig und sorgt für große, luftige Blasen. Würde man es für einen schnellen Teig verwenden, geriete das Ergebnis unangenehm zäh.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eAber nun zur Sache. Für den klassischen, lang geführten Teig, also den für Geduldige, benötigen wir: Mehl, Wasser, Salz, sehr wenig frische Hefe, sehr viel Zeit.\u003c\/p\u003e\n\u003ch3\u003eLos geht's\u003c\/h3\u003e\n\u003cp\u003eIch nehme für einen Teig für ungefähr zwei bis drei Personen insgesamt 400 Gramm Mehl. Da ich den Teig tagelang ruhen lasse, brauche ich eine hohe Backstärke. Ein W-Wert von etwa 280 bis 320 wäre ideal. Wer kein spezielles, starkes Pizzamehl (wie zum Beispiel das neapolitanische Caputo Cuoco) zur Hand hat, mischt es sich selbst: 300 Gramm klassisches Tipo 00 und 100 Gramm starkes Manitoba-Mehl.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDieses Mehl vermengen wir in einer Schüssel mit etwa 10 Gramm feinem Meersalz.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eNun nehmen wir kaltes Wasser. Darin lösen wir eine winzige Menge Frischhefe auf – nicht mehr als 0,5 bis 1 Gramm, also etwa die Größe einer halben Erbse. Weniger ist hier mehr.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDiese Flüssigkeit geben wir zum Mehl. Nach und nach gießen wir weiteres Wasser (insgesamt ca. 260 Milliliter) hinzu, bis eine weiche Masse entsteht.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eJetzt heißt es: kräftig kneten. Durch diesen Prozess bildet das Eiweiß im Weizen lange, elastische Fasern. Der sogenannte Fenstertest zeigt danach, ob der Knetprozess ausreichend war: Zieht man den Teig behutsam auseinander, sollten sich transparente Stellen bilden, ohne dass der Teig reißt.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eJetzt haben wir eine Gesamtteigmenge von rund 670 Gramm. Das reicht für drei klassische Pizzakugeln von je ca. 220 Gramm.\u003c\/p\u003e\n\u003ch3\u003eDas kalte Reifen\u003c\/h3\u003e\n\u003cp\u003eDer Teig darf nun abgedeckt zwei Stunden bei Zimmertemperatur gehen. Das Glutengerüst entspannt sich, der Teig nimmt noch nicht merklich an Volumen zu, aber seine Oberfläche wird sichtlich glatter und geschmeidiger.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDann ist der Zeitpunkt gekommen, den Fermentationsprozess zu verlangsamen: Dafür stellen wir den Teig in den Kühlschrank. Im englischen Sprachraum spricht man vom cold-proofing. Die Hefe arbeitet langsamer, der Teig fermentiert, baut Aromen auf und wird nebenbei bekömmlicher, da er die sogenannten FODMAPS im Teig abzubauen hilft (wer schon einmal gesundheitliche Ernährungsexperimente an sich selbst durchführen musste, weiß, was gemeint ist).\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDas Optimum der Reifedauer liegt zwischen zwei und vier Tagen. Davor ist der Teig noch verbesserungsfähig, danach hat die Hefe zu viel Alkohol und Säure produziert.\u003c\/p\u003e\n\u003ch3\u003eDer Tag des Backens\u003c\/h3\u003e\n\u003cp\u003eAm Tag des Backens holen wir den Teig vier Stunden vor geplantem Backen aus der Kälte, stechen pizzagroße Stücke ab und formen sie mit sanftem Druck und viel Fingersptizengefühl auf der Arbeitsfläche zu runden, Oberflächenspannung besitzenden Kugeln (das sogenannte Schleifen – erfordert ebenfalls etwas Übung und Erfahrung, lässt sich aber schnell lernen) und lassen sie in einer geschlossenen Box oder unter einem feuchten Tuch auf Zimmertemperatur kommen.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDas Ergebnis ist ein wunderschöner, leichter, von großen Luftblasen durchzogener Teig.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eWenn es ans Formen geht, unbedingt nur die Hände benutzen! Ein Nudelholz würde die wertvollen Gasblasen aus dem Teig pressen. Stattdessen drücken wir die Teigkugel mit den Fingerspitzen von der Mitte nach außen flach. So begibt sich die Luft in den Rand, und kann sich später im Ofen schön aufplustern.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eUnd dann? Was nun drauf auf die schöne Pizza? Obliegt natürlich jedem Pizzabäcker selbst. Doch wir wären nicht Splendido, wenn wir nicht auf radikale Zurückhaltung beim Belag pochen würden. Weniger ist immer mehr – ein simpler Sugo aus puren Tomaten, etwas gut abgetropfter Fior di Latte. Ein Faden bestes Olivenöl und vielleicht zwei Blätter Basilikum nach dem Ofen. Oder gleich \u003ca href=\"https:\/\/splendimagizin.com\/products\/pizza-marinara\"\u003eauf die Marinara \u003c\/a\u003esetzen, mit nur Passata, Knoblauch, Sardellen oder\/und Kapern, Oregano.\u003c\/p\u003e\n\u003ch3\u003eVariante 2: Für Ungeduldige\u003c\/h3\u003e\n\u003cp\u003eUnd nun zum schnelleren Teig. Denn leider hat man nicht immer tagelang Zeit fürs Abendessen. Gerade die Lust auf Pizza entsteht aber oft spontan.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eUm trotz des beschleunigten Reifeprozesses das bestmögliche Ergebnis zu erreichen, bedienen wir uns eines kleinen Tricks und greifen entsprechend der oben erklärten Mehl-Logik zu einem schwächeren Mehl. Hier verwenden wir ausschließlich klassisches Tipo 00 (ohne Manitoba!) mit einem niedrigen W-Wert (um die 200 bis 220). Ein starkes Mehl könnte sich in der kurzen Zeit nicht entspannen und der Teig würde sich immer wieder störrisch zusammenziehen.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDie Zutaten für rund 400 Gramm fertigen Teig (reicht für 1 bis 2 Personen): 250g Mehl (Tipo 00), ca. 140 ml Wasser, 3 Gramm Trockenhefe, ein Teelöffel Salz, eine Prise Zucker und ein Schuss gutes Olivenöl.\u003c\/p\u003e\n\u003ch3\u003eDer Vorteig\u003c\/h3\u003e\n\u003cp\u003eDamit wir nicht so lange warten müssen, brauchen wir einen kleinen Vorteig, auch genannt Poolish light, der die Hefe schneller aufweckt. Dafür mische ich ein paar Teelöffel unseres bereits abgewogenen Tipo 00-Mehls mit der Trockenhefe, gebe eine Prise Zucker hinzu, das ist das Kraftfutter für die Hefe, und rühre alles mit etwas von dem lauwarmen Wasser glatt.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eNach einer halben Stunde an einem warmen Ort sollte sich die Schale mit einer cremigen, blasenschlagenden Masse füllen.\u003c\/p\u003e\n\u003ch3\u003eKneten und Ruhen\u003c\/h3\u003e\n\u003cp\u003eDiese gelungene Masse geben wir nun zum restlichen Mehl und mischen das Salz und das Olivenöl hinzu. Das Öl gibt Geschmack und sorgt bei der kurzen Gehzeit dafür, dass der Teig geschmeidig bleibt und sich später trotzdem gut formen lässt.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eUnter Zugabe des restlichen lauwarmen Wassers wird alles zu einem glatten, elastischen Teig verknetet. Auch hier gilt: Dem Knetprozess gebührt unbedingte Hingabe. Kneten, kneten, kneten, bis sich die Masse seidig und weich anfühlt. Bloß nicht ungeduldig werden.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eNun den Pizzateig zu Kugeln formen und gut zugedeckt an einem warmen Ort abstellen. Sehr gut eignet sich die Tassenablage der Espressomaschine oder ein Ort vor der Heizung. Nach ein bis zwei Stunden (je länger, desto besser) ist der Pizzateig schön aufgegangen und bereit für den Belag und den Eintritt in den heißen Ofen.\u003c\/p\u003e\n\u003cp\u003eDas Ergebnis ist naturgemäß nicht so komplex und beeindruckend wie der tagelang gereifte Teig. Aber dank des Vorteigs und des Olivenöls schlägt er in seiner Struktur und Qualität noch immer die meisten Pizzen, die man beim durchschnittlichen Lieferdienst bekommt.\u003c\/p\u003e","brand":"Rezept","offers":[{"title":"Default Title","offer_id":54789680169228,"sku":null,"price":0.0,"currency_code":"EUR","in_stock":true}],"thumbnail_url":"\/\/cdn.shopify.com\/s\/files\/1\/0246\/9180\/2208\/files\/Pizzateig.jpg?v=1782562048","url":"https:\/\/splendimagizin.com\/products\/frischer-pizzateig","provider":"SPLENDIDO","version":"1.0","type":"link"}